Eine eigene mobile App – das klingt nach großem Unternehmen und großem Budget. Tatsächlich ist das Bild differenzierter: Es gibt mobile Lösungen, die für mittelständische Unternehmen sinnvoll und bezahlbar sind. Und es gibt Fälle, in denen eine App die falsche Lösung ist. Der Unterschied liegt im Anwendungsfall.
Native App, Progressive Web App oder Hybrid?
Bevor wir über Kosten sprechen, brauchen wir Klarheit über die Varianten:
Native App: Speziell für iOS oder Android entwickelt, im App Store verfügbar. Beste Performance, Zugriff auf alle Gerätefunktionen. Höchste Entwicklungskosten, da oft zwei separate Apps nötig sind.
Progressive Web App (PWA): Eine Webanwendung, die sich wie eine App anfühlt – kann zum Homescreen hinzugefügt werden, funktioniert teilweise offline. Deutlich günstigere Entwicklung, kein App-Store erforderlich. Zugang zu Gerätefunktionen eingeschränkt.
Cross-Platform (React Native, Flutter): Eine Codebase, zwei Apps – iOS und Android. Guter Kompromiss zwischen Kosten und Möglichkeiten. In 80 % der Fälle die richtige Wahl für mittelständische Unternehmen.
Apps für Mitarbeiter: Effizienz im Außendienst
Mitarbeiter-Apps sind besonders sinnvoll, wenn Ihr Team unterwegs arbeitet und dabei auf Unternehmensdaten zugreifen oder Informationen erfassen muss.
Typische Anwendungsfälle:
- Außendienstmitarbeiter dokumentieren Kundenbesuche direkt vor Ort
- Techniker erfassen Arbeitszeiten und Materialverbrauch auf der Baustelle
- Pflegepersonal dokumentiert Leistungen beim Patienten
- Lagermitarbeiter scannen Barcodes und aktualisieren Bestände in Echtzeit
Der Effizienzgewinn ist hier oft enorm: Was früher auf Papier erfasst und abends ins System eingetippt wurde, landet jetzt in Echtzeit dort, wo es hingehört.
Apps für Kunden: Mehrwert und Bindung
Kunden-Apps machen dann Sinn, wenn Sie Ihren Kunden einen echten Mehrwert bieten können – etwas, das sie regelmäßig nutzen würden. Eine App, die man nach dem Download einmal öffnet und dann vergisst, ist keine App, die einen ROI liefert.
Sinnvolle Kunden-Apps:
- Loyalitätsprogramme und Bonuspunkte
- Buchungs- und Terminverwaltung
- Echtzeitverfolgung von Aufträgen oder Lieferungen
- Serviceportale für After-Sales-Betreuung
Was kostet eine App wirklich?
- Progressive Web App: 10.000 – 30.000 € – für einfachere Anwendungsfälle ohne App-Store-Requirement
- Cross-Platform App (React Native / Flutter): 30.000 – 80.000 € – für die meisten Mittelstands-Anwendungsfälle ausreichend
- Native iOS + Android: ab 60.000 € (zwei separate Codebasen) – nur wenn Performance und Gerätezugang entscheidend sind
Dazu kommen laufende Kosten: App-Store-Gebühren (99 € / Jahr für iOS, einmalig 25 € für Android), Serverkosten für das Backend und regelmäßige Updates bei neuen Betriebssystemversionen.
Wann lohnt es sich?
Faustregel: Eine Mitarbeiter-App lohnt sich, wenn mindestens 10–15 Mitarbeiter sie täglich nutzen werden und die App mindestens eine Stunde manuelle Arbeit pro Person und Tag einspart. Eine Kunden-App lohnt sich, wenn Sie damit die Kundenbindung messbar steigern oder Support-Kosten senken können.
Wenn Sie unsicher sind, ob eine App der richtige Weg ist: Oft ist ein einfaches responsives Web-Tool der bessere Startpunkt. Kleiner Aufwand, schnelles Feedback – und wenn es funktioniert, kann daraus eine richtige App werden.